Niwo

Nachdem wir im Jahre 1997 auf einen ehemaligen Bauernhof gezogen waren, der etwas außerhalb des Dorfes liegt, regte sich bei mir sofort der Gedanke "Wir brauchen einen Wachhund". Unser Golden Retriever Chief ist sicher ein Hund für fast jede Gelegenheit, aber eines ist er sicher nicht - nämlich ein Wachhund. So wurden Bücher gewälzt und Ratschläge eingeholt und letztendlich die Entscheidung getroffen. Ein Hovawart sollte es sein!

Den Züchter kannte ich schon länger und hatte mir auch schon einen vorhergehenden Wurf angesehen. Die Bedingungen waren optimal und dem Glück konnte eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Laut vieler Buchbeschreibungen sollte der Hovawart ein unbestechlicher Wächter des Hofes sein mit minimalem Jagdtrieb. Also ideal!

Offensichtlich standen die Zeichen für uns nicht so gut, denn exakt an dem Tage als wir ihn mit 8 Wochen abholen konnten, hatte ich einen Bandscheibenvorfall der mich fast 8 Monate in meiner Bewegungsfähigkeit massiv einschränkte. Kurzum, die ersten Monate waren eine relativ schwierige Zeit. Nichtsdestotrotz gingen wir bald darauf auf den Hundeplatz und absolvierten unsere ersten Grundübungen.

Eigentlich lief alles gut, nur dass ich immer den Eindruck hatte, mein Hund wollte etwas anderes als ich. Das Höchste für ihn waren Kampf- und Zerrspiele und die Verfolgungsjagd. Heute denke ich, der "Schutzdienst" hätte ihm vielleicht gefallen. Ich stellte mir immer einen unkomplizierten Hund vor, der stets auf mich achtet und mit dem ich mich in jeder Menschenmenge ohne Leine bewegen konnte. Das konnte ich natürlich auch - vorausgesetzt ich stellte sicher, daß er bei mir blieb und sich auch kein anderer Rüde in seiner Nähe bewegte.

Heute weiß ich, daß ich viele Fehler in der Erziehung gemacht habe und meine Vorstellungen waren vielleicht etwas utopisch. Aufgrund seiner ausgeprägten Jagdleidenschaft fielen auch die Ausritte am Pferd nach einigen Fehlschlägen flach. Nun mußte ich mir etwas Neues überlegen. Nach dem Besuch eines Schlittenhunderennens beschloß ich, mein Niwo wird ein Zughund. Ich kaufte ihm ein Zuggeschirr und spannte ihn vors Fahrrad. Dies gipfelte darin, daß wir, als meine jüngste Tochter geboren wurde, sogar noch einen Anhänger am Fahrrad hatten. Endlich konnte er sich austoben und wir haben im Laufe der Jahre viele Kilometer zurückgelegt.

Im Laufe der Zeit wurde auch Niwo ruhiger und heute ist auch die Jagerei kontrollierbar. Seine Aufgabe als Wächter erfüllt er nach wie vor mit Begeisterung und jeder Fremde wird es sich dreimal überlegen, ob er unser Grundstück betritt.

Im Hause und mit meinen Kindern ist er sehr umgänglich und ruhig und liebt nichts mehr als seine Streicheleinheiten. Jeder der ihn sieht, ist von seinem Äußeren begeistert, denn er besticht durch seinen schlanken, eleganten Körperbau und sein glänzendes schwarzmarkenes Fell. Er ist der eher hochbeinige, feine Typ der sehr schnell und wendig ist. Niwo ist ein sehr aktiver Hund, der trotz hoher körperlicher Beanspruchung am Fahrrad immer noch topfit ist.

Trotz einiger Anläufe sind wir glücklich und zufrieden mit ihm und innerhalb unseres Hunderudels gibt es nun so viele Aktivitäten dank unserer Aussies, so daß Niwo nun täglich seine überschüssigen Energien im Garten austoben kann. Doch mit zunehmenden Alter wird nun auch Niwo ruhiger und verbringt nun mehr Zeit bei einem Schläfchen im Garten.

Wir sind froh, daß wir ihn haben und dank seiner Hilfe konnten wir eine Menge Erfahrungen machen, die uns hoffentlich in Zukunft auch nützlich sein werden.

Am 16. März 2009 mußten wir von Niwo Abschied nehmen.

Er bekam ganz überraschend eine Magendrehung und wir mußten ihn von seinen Schmerzen erlösen, da eine zweite Operation dieser Art in seinem Alter nicht mehr in Frage kam.

Wir vermissen ihn und danken ihm für all die schönen Stunden, die wir mit ihm haben durften.